Aktuelle Ausgabe

Titelseite der Ausgabe

Liebe LeserInnen,

wie Sie als langjährige KundInnen wissen, haben Sie gerade unsere Urlaubsdoppelausgabe gekauft. Das bedeutet, wir lassen jetzt für ein paar Wochen die Seele baumeln und melden uns mit der Oktober-Ausgabe wieder.

Aber jetzt ist es erst mal Sommer und somit Urlaubszeit. Und obwohl es kaum noch Coronabeschränkungen gibt, werden eine Menge Menschen daheimbleiben und nicht in den Urlaub fahren oder fliegen können. Es sei denn, sie kennen einen Ort, an dem die Preise niedrig geblieben sind. Denn das ist das zentrale Problem, das uns wohl auch im Urlaub beschäftigen wird. Bis auf die ganz Reichen wird die Teuerung wohl uns alle treffen bzw. hat sie schon. Zwar versucht die Regierung verzweifelt, den Schaden abzumildern, doch auf Dauer wird sie das nicht können. Benzin, Heizung, Lebensmittelpreise oder Strom, es ist viel, was da auf einen Schlag zusammenkommt.

Da schon die „normal“ verdienenden Menschen nicht mehr wissen, wie sie ihre Rechnungen oder die täglichen Einkäufe bezahlen sollen, muss ich wohl nicht extra erwähnen, dass es für EmpfängerInnen von ALG 2 oder Grundsicherung um ein Vielfaches schlimmer aussieht. Das Kuriose daran ist, dass ich davon nicht einmal das ganze Geld für Essen und Trinken ausgeben soll oder darf. Die monatlichen 449 € sind genau aufgeteilt. Den Hauptanteil machen natürlich Lebensmittel aus, aber es ist auch Geld für Bekleidung, Hygieneartikel, für den Haushalt und sogar 2 € und ein bisschen für Kultur (!) vorgesehen. Doch nun haben erst Corona und jetzt der Krieg in der Ukraine diesen ausgefeilten Monatsplan über den Haufen geworfen. Ich z. B. kann mir momentan keine Haushaltsgeräte oder neue Kleidung kaufen, Hygienesachen hole ich billig im Supermarkt und für Kultur ist gerade gar kein Geld übrig, mal abgesehen davon, dass ich bei den täglichen Hiobsbotschaften überhaupt keine Lust auf Kultur habe. Jedenfalls will ich damit aufzeigen, dass momentan das gesamte Geld für Lebensmittel draufgeht, und es reicht auch nur deshalb, weil ich Woche für Woche die Angebotsheftchen der verschiedenen Geschäfte durchsuche! Und ich denke, es geht der Mehrheit hier in Deutschland so...

Doch da in dieser Krise noch lange kein Ende absehbar ist, muss die Regierung jetzt ernsthafte Hilfsmaßnahmen ergreifen. Bislang gab es für jede Problemgruppe finanzielle Unterstützung, sei es die Tankpauschale, das Strom- und Heizgeld und für uns Arme gab es eine Einmalzahlung von 200 €. Das alles ist schön und gut und mir ist klar, dass die Regierung von vielen der Katastrophen genauso überrollt wurde wie wir. Doch das hilft nicht weiter, jetzt müssen konkrete Hilfen her. Hilfen, die auf lange Sicht etwas bewirken können! Die 200 €, die ich jetzt bekommen habe, waren toll, ich konnte sie wirklich dringend gebrauchen. Doch ich kann jetzt nicht alle Krisen der Welt damit aussitzen! Gut, jetzt hat die Regierung angesagt, dass im Januar des nächsten Jahres das Bürgergeld kommen soll und die Hartz-Gesetze endlich in die Tonne kommen. Doch was bedeutet das Bürgergeld? Konkrete Zahlen gibt es wohl noch nicht, aber ich habe gelesen, dass Hubertus Heil einen monatlichen Zuschuss von 40 oder 50 € plant. Das hört sich erstmal viel an, bedenkt man aber, dass bis Januar noch ein halbes Jahr Zeit ist, macht mir das Sorgen. Wenn ich mir die Preissteigerungen der letzten Monate ansehe, dann sehe ich keinen Grund, warum das in den nächsten Monaten nicht mehr so sein soll. Und dann haben bis Januar die Preise den Zuschlag längst wieder aufgefressen.

Und das sind „nur“ die Lebensmittel. Was mache ich, oder was macht das Amt, wenn auch die Briketts teurer werden? In zwei Monaten muss ich die holen. Wie viel kann ich mir leisten und wie oft lasse ich den Ofen aus? Oder wenn mein Kühlschrank den Geist aufgibt, was ist dann? Oder wenn meine einzige Hose reißt und es keine neuen Hosen mehr unter 100 € gibt? Ich glaube, da sollten sich Minister Heil und die zuständigen KollegInnen noch einmal zusammensetzen, um einen Plan zu entwickeln, der es jedem Menschen ermöglicht, einigermaßen würdevoll zu leben!

Aber es ist beruhigend, wenn man sieht, wie die PolitikerInnen alle zusammenhalten und um unser Wohl bemüht sind. Vor allem Friedrich Merz und die CDU überschlagen sich förmlich dabei, vernünftige Lösungen zu finden, die die Menschen wirklich entlasten. Die sitzen einfach da und warten, bis irgendein Vorschlag der Regierung kommt und dann meckert man einfach dagegen. Mit täglicher Routine geht Merz ans Rednerpult im Bundestag, lässt sich mit seiner üblichen Arroganz über die gemachten Lösungsvorschläge aus und versucht, die Regierung damit lächerlich zu machen. Konkrete Vorschläge, die funktionieren könnten, liefert Merz aber nicht. Statt die Krise zu bewältigen ist Merz schon jetzt im Wahlkampfmodus und versucht, sich durch die Not der Menschen zu profilieren! Warum können die nicht ihre Eitelkeiten beiseiteschieben und zusammen nach Lösungen suchen? Zur nächsten Wahl können sie ja wieder hervorheben, was sie getan haben. Hauptsache, sie tun erst mal was! Das erinnert mich schwer an die AfD, wohl deshalb, weil die beiden Parteien im Bundestag nebeneinander sitzen.


Ihnen wünschen wir einen schönen Urlaub und hoffen, dass Sie für eine Weile abschalten und entspannen können!


UNTER ANDEREM IN DIESER AUSGABE:

Mit Objekten das Thema Wohnen betrachten

Nah am Ziel und doch so fern

Im Gespräch mit...

900 Jahre Armut in Freiburg (Teil 19)